Tanzende Autos – PK (2014)

pk_poster(C) Filmposter: UTV Motion Pictures

„Aus einer weit entfernten Galaxie landet ein freundliches Alien auf der Erde.“
(Pressetext PK)

Dieses Alien heißt im wahren Leben Aamir Khan, und er verbringt im wahren Leben viel Zeit in Fitnessstudios. Anscheinend wird das von männlichen Bollywoodstars neuerdings erwartet. In den Fünfzigern und Sechzigern waren männliche Bollywoodstars häufig langweilige Pulloverträger, während die Damen an ihrer Seite glamorös schillerten. Als Shah Rukh Khan 2007  in Om Shanti Om in der lustigen Nummer „Dard-E-Disco“ über seinen Discoschmerz sang und dazu sein Sixpack vorführte, fand ich das sehr komisch. Inzwischen gibt es das aber quasi in jedem Shah Rukh Khan-Film zu sehen, das Sixpack von  Frauenschwarm Hrithik Roshan war in Bang Bang zu begutachten, und nun ist auch Aamir Khan für PK sehr oft in die Muckibude gegangen. Aber Aamir Khan erreicht  mit seinem stählernen Body zumindest sein Ziel, überzeugend wie ein Außerirdischer zu wirken.

Und damit wären wir auch schon dabei, dass PK überraschend komisch und unterhaltsam ist. Denn dem freundlichen Alien wird sein Nach-Hause-Telefonier-Riesensmaragd geklaut und aus der Suche danach

entwickelt sich eine lustige Odyssee, die dem Alien seinen Namen (Are you PK?  Bist du betrunken?) einbringt.  Alle, die PK fragt, sind der Meinung, da könne ihm nur Gott helfen, also versucht PK, Gott zu finden, und nimmt den Zuschauer mit auf eine Achterbahnfahrt durch den Dschungel  der indischen Religionen, bei der es viel zu lachen gibt. Aamir Khan gibt mit solidem overacting den Außerirdischen, der sich Klamotten aus „tanzenden“ Autos klaut und alle mit seinen naiven Fragen entwaffnet, Anushka Sharma überzeugt als Reporterin, die den schrägen Vogel entdeckt, und Bollywoods Bad Boy Sanjay Dutt legte einen wunderbaren Part als Rajasthani-Musiker mit Herz hin, bevor er erstmal zwei Jahre in den Knast musste (Dem widmet sich ein eigener Beitrag in den DVD-Extras). Die Love-Story hat einen hohen Rührfaktor, und es gibt nur wenige platte Kalauer.

Mich hat aber etwas ganz Anderes an diesem Film überrascht: dass die Hauptdarstellerin am Anfang einfach mit einem netten Kerl die Nacht verbringt, ohne mit ihm verheiratet zu sein. Das wäre noch vor wenigen Jahren in einem indischen Mainstreamfilm unmöglich gewesen. Die rigiden Moralvorstellungen, die die indische Gesellschaft immer noch in vielen Teilen bestimmen, scheinen zu bröckeln.

Anscheinend hat genau das Freche, Satirische an PK die Zuschauer ins Kino gelockt. Denn PK ist nicht nur komisch und unterhaltsam, sondern auch der bis heute erfolgreichste Bollywoodfilm: 792 Crore Rupies (knapp 8 Milliarden Rupien) oder umgerechnet 120 Millionen Dollar hat er eingespielt (Auf einer Wikipediaseite sind die 15 Filme mit den höchsten Einnahmen verzeichnet). Regisseur Rajkumar Hirani hat bislang ein sehr gutes Händchen für seine Stoffe bewiesen, denn alle vier Filme, die er gedreht hat, waren kommerziell und bei der Kritik erfolgreich. Wer Aamir Khan erleben möchte, bevor er ins Fitnessstudio umzog, dem sei Lagaan empfohlen, einer der besten Filme der frühen 2000er.

Lagaan und PK sind in deutsch synchronisierter Fassung bei Rapid Eye Movies erschienen – auf DVD und Blue-Ray. Infos auf bollywoodmachtgluecklich.de.


PK (2014)

Regie: Rajkumar Hirani

Drehbuch: Rajkumar Hirani und Abhijat Joshi

Darsteller: Aamir Khan, Anushka Sharma, Sanjay Dutt, Boman Irani, Sushant Singh Rajput

Musik: Atul Gogavale, Shantanu Moitra
Texte: Swanand Kirkire, Amitabh Verma
Playback-Sänger: Shreya Goshal, Sonu Nigam, Shaan

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