My Favourite Bollywood Blogs

Ich bin ein Mann. Ich bin 54 Jahre alt. Und ich mag Bollywoodfilme. Das finden viele Menschen seltsam. Ich interessiere mich besonders für alte indische Filme – Filme, in den nicht Shah Rukh Khan mitspielt. Das garantiert mir Nerdstatus. Ich kann Namen wie Vijayanthimala aufschreiben ohne nachzudenken, ich  kann Dharmendra von Jeteendra unterscheiden und weiß sogar, dass Dharmendra nicht tanzen kann, obwohl er ein Bollywoodstar ist. Mir macht das Spaß, aber gelegentlich macht mich das zu einem einsamen Menschen.

Da hilft es sehr zu wissen, dass es  da draußen wenigstens  ein paar Andere gibt, die dieses Hobby mit ähnlicher (oder sogar größerer) Leidenschaft verfolgen. Das Internet bietet einen reichhaltigen Fundus an Enthusiasten, die mir helfen,  um mehr über Filme, Schauspieler, Regisseure, Sänger oder Komponisten und Textdichter in Erfahrung zu bringen.

molodezhnaja

Ein deutschsprachiger Blog, der mehr als Klatsch zu neuen Filmen auflistet,  ist „molodezhnaja“. Hier finde ich eine Fülle an Material, vor allem Filmkritiken. Allerdings gibt es seit 2015 kaum noch neue Einträge, für 2016 bislang keine neuen Kritiken. Aber für ältere Filme kann man sich hier gut orientieren: Zum Beispiel über Mr. And Mrs. 55, eine Fünfziger-Jahre-Komödie von Bollywood-Genie Guru Dutt.

Dieser Film ist der Namensgeber für einen meiner zwei englischsprachigen Lieblingsblogs:

mrandmrs55

Mr. und Mrs. 55 sind ein Ehepaar, zwei indisch(stämmig)e Harvard-Studenten, und sie widmen sich ganz den indischen Filmklassikern. Ihre Blogbeiträge kommen oft in größeren Abständen, aber dann gibt es eine Menge Stoff. Ihre Spezialität sind Übersetzungen der Texte von Hindi-Filmsongs. Es ist klar, dass sie ihre Mühe dabei nicht an x-beliebige Schlager verschwenden, sondern nach Perlen und lyrischer Feinkost Ausschau halten.

Ich mag ihren Blog schon lange, aber richtig zu schätzen gelernt habe ich ihn während der Arbeit an meinem Roman „Bollywood in Wilkendorf“ (Hier eine Leseprobe). Denn wie transferiert man ein visuelles Medium wie Bollywood in die Welt eines Romans? Da hilft es sehr, wenn man die Texte der Filmschlager versteht. Und so landete ich immer wieder bei Mr. & Mrs 55, zum Beispiel bei ihrer Übersetzung des Songs Khoya Khoya Chand (Verlorener Mond), den Mohammed Rafi 1960 für Dev Anand sang. Oder bei dem Beitrag zu einem traurigen Lied über eine verlorene Liebe, Chalo ek baar (Wir sollten wieder Fremde werden, aus: Gumrah, 1963), ein Song, der mich schon angefasst hat, bevor ich den Text verstand. Spätestens, wenn man die genauen Erläuterungen der beiden Bollywoodfans liest, begreift man, dass einige der Textdichter mit Recht als Poeten gelten. Der Größte unter ihnen ist Sahir Ludhianvi, der Songtexte für zahlreiche Filme verfasst hat. Einem seiner Meisterstücke, einem Doppel-Qawwali, der im Film Barsaat ki Raat zwölf Minuten dauert, widmen die 55er denn auch einen ihrer umfangreichste Beiträge: Yeh Ishq Ishq hai.

(„Verlorener Mond“, Song aus Kala Bazar, 1960)

Doch auch auf der leichteren Seite sind ihre Beiträge immer amüsant und bieten dem Bollywoodfan unterhaltsame Informationen über die Klassiker. In Chalti Ka Naam Gaadi (Alles was fährt, ist ein Auto, 1958) wird aus der dreisten Anmache eines Automechanikers ein charmanter Baggersong. Er schafft es, die monsundurchnässte Lady zu bezaubern, noch bevor ihr Sari getrocknet ist: Ek ladki bheegi bhaagi si. Klassisches Bollywoodkino macht mehr Spaß mit Mr & Mrs. 55

 

memsaabstory

Was kann dem Memsaabstory entgegenhalten?

Kurz gesagt: Charme, Witz und ein riesiges Archiv an Beiträgen. Wo Mr. and Mrs. 55 mit tiefgründigen Informationen zu einzelnen Filmen und Songs glänzen, bietet Memsaab einen riesigen Fundus: Klassiker, Flops, obskure B-Filme und Genreperlen, sie alle bekommen auf charmante Weise ihr Fett weg. Dabei macht Memsaab aus ihrer Begeisterung für Bollywood keinen Hehl, aber dennoch bekomme ich nach jeder ihrer leichtfüssig geschriebenen Kritiken eine Ahnung, ob ich den beschriebenen Film gerne sehen möchte oder nicht.

Ein Klassiker: Die Hitparade ihrer fünfzehn Lieblingssongs der Schauspielerin Mumtaz, die in den Sechzigern und Siebzigern aktiv und erfolgreich war. Memsaab weiß in lebendigen Worten zu schildern, warum sie die Songs ausgewählt hat, auch wenn klar wird, dass die Beschränkung auf fünfzehn Clips ein hartes Brot für sie bedeutet.

Genau meine Art von Humor trifft sie mit ihrer Nahin Gallery. Hier versammelt sie Screenshots von Schauspielern, die Entsetzen spielen („Oh nein, meine Tochter ist verhungert!“/“Oh Gott, Gabbar Singh hat meine ganze Familie umgebracht!“) Da overacting im indischen Kino quasi Programm ist, wird Memsaab reichlich fündig, bei großen Stars ebenso wie bei längst verglühten Sternchen.

Ebenso spleenig wie sympathisch ist ihre Beschäftigung mit Edwina, einer Edelkomparsin, die in zahlreichen Songs der Sechziger tanzte. Memsaab hat sie inzwischen persönlich kennengelernt und schickt ihr zum Geburtstag 2015 einen rührenden Gruß. Meine Lektüre hat dazu geführt, dass auch mir Edwina immer wieder auffällt, und es einen Heidenspaß macht, sie in alten Filmen zu ent­decken.

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Dieser Beitrag ist auf Anregung von Alexander Liebrecht entstanden, der auf internetblogger.de dazu aufrief, im Rahmen einer Blogparade zwei Blogs aus seiner Nische vorzustellen. Bei mir sind es zweieinhalb geworden. Ich danke für diese schöne Idee und die Gelegenheit, auf die zu verweisen, die meine Arbeit schon lange begleiten.

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3 Gedanken zu “My Favourite Bollywood Blogs

  1. Hallo Hartmut,
    klasse, dass du es noch geschafft hast, mitzumachen. Selbstverständlich trage ich dich hiernach zu den anderen Teilnehmern unter dem Blogparaden-Blogpost ein, sodass jeder Mitmacher dann gewürdigt wird. Heute lasse ich es noch verstreichen, aber ab morgen mache ich mich an die Auswertung der Aktion heran. Es sind gute Blogposts in dem Rahmen entstanden und diese muss ich allesamt durchlesen. Die Auswertung erscheint vermutlich schon morgen, im Verlaufe des Tages. Vielleicht machen heute noch welche auf den letzten Drücker mit. Schauen wir mal.

    Im Übrigen mochte ich früher als junger Sprung ebenfalls Bollywood-Filme, weil ich auch im Osten aufwachsen bin. Da war es im Kino gang und gäbe, dass solche Filme gezeigt wurden. Es war tolle Zeit und heute gehe ich nicht einmal mehr ins Kino, weil eben andere Interessen wie Internet und Bloggen.

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