One, Two, Three, Baby – Kismat (1969)

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(Gute-Laune-Bolzen Österreich: Peter Alexander [m. Caterina Valente]
© CCC-Film, Artur Brauner)

An quasi jedem gottverdammten Sonntagnachmittag in meiner Jugend liefen Schlagerfilme im Fernsehen, und an jedem zweiten gottverdammten Sonntagnachmittag spielte Peter Alexander darin die Hauptrolle. In Filmen wie Das weiße Rössl am Wolfgangsee oder Liebe, Tanz und 1000 Schlager gab er den ewig gut gelauten Sonnyboy und Schwiegermutterliebling, der mit enervierendem Wiener Schmäh Schnulzen sang. Weil Peter Alexander ein Liebling der Fernsehnation war, und seine jährlichen Shows Quoten von bis zu 79 Prozent erreichten, war er mir von Anfang an suspekt. Schon als Zwölfjähriger, so bilde ich mir jedenfalls gerne ein, stellte ich mir die Frage, ob Peter Alexander nicht auch mal schlechte Laune haben, ob ein Mensch wie er nicht irgendwann vor guter Laune platzen müsse. Auf diese Frage gab es nie eine Antwort, denn Peter Alexander war ebenso notorisch gut gelaunt wie diskret, was sein Privatleben anging.

Aber das ist lange her, sonntags gucke ich nachmittags fast nie Fernsehen und also ist Peter Alexander Geschichte. Doch dann sah ich arglos Kismat, einen Bollywoodfilm, der eine ziemlich schwachsinnige Handlung hat, wenn man das, was da passiert, überhaupt  Handlung nennen kann: Musiker Vicky (Biswajeet) führt ahnungslos einen Mikrofilm mit brisanten Informationen in seiner Gitarre spazieren und wird deshalb von Gangstern gejagt. Auf der Flucht trifft er eine verwöhnte junge Frau (Babita Kapoor), die von zuhause abgehauen ist. Dazu gesellt sich ein Erfinder, der ein lustiges altes Auto voller Gadgets hat, und weitere Gadgets in seiner Erfinderstube. An mehr kann ich mich nicht erinnern. Eine ziemlich bekloppte Mischung aus Der Unsichtbare Dritte, Tschitti tschitti bäng bäng (Kindermusical) und romantischer Komödie. Besonders verstörend aber erinnert mich Hauptdarsteller Biswajeet mit seinem oberflächlichen Dauergrinsen fatal an Peter Alexander. Peter hatte also einen indischen Bruder im Geiste.

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(Gute-Laune-Bolzen Indien: Biswajeet in Kismat, © Pride of Asia Films)

Das alles wäre ein guter Grund, über Kismat zu schweigen. Aber der Film hat eine entzückende Item Number zu bieten. Zwar hat sie den schwachsinnigsten Refrain, den ich kenne: „One, two, three, baby, yayaya, yayaya, yayaya.“ Und Vicky alias Biswajeet hampelt wie eine Aufziehpuppe durch den Song und tut so, als ob er Gitarre spielt.

Aber wie so oft, rettet Helen den Tag. Sobald sie hereingetanzt kommt, ist die Sache gelaufen, denn sie schafft es, den sehr schlichten Text noch so rüberzubringen, als sei da eine kulturell wertvolle Botschaft enthalten. Die Mode der Hintergrundtänzer ist natürlich sensationell retro, und die finsteren Blicke der Gangster sowie die geschmeidige Musik von „Melodienkönig“ O.P. Nayyar überzeugen sowieso.

Der Regisseur und Drehbuchautor dieses Fiaskos heißt Manmohan Desai und gilt als Erfinder des Masala-Kinos, das unterschiedliche Genres mischt. Er machte nach Kismat  unter anderen einen passablen Thriller mit Rajesh Khanna, Sachaa Jhuthaa (Wahrheit oder Lüge) und einen meiner absoluten Lieblingsfilme aus Indien, Amar Akhbar Anthony.

Aber bei Kismat reichte es nur für ein paar glorreiche Minuten, die ihr Geld wert sind.

Also Leute, schaltet euer Gehirn aus und genießt Eins, Zwei, Drei, Baby: völlig sinnfrei, aber hoch unterhaltsam.

One, Two, Three, Baby

Musik: O.P. Nayyar
„Text“: S.H. Bihari
Sänger: Asha Bhosle, Mahendra Kapoor

Kismat (in der Internet Movie Database)

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