Der Fall „Chura Liya“

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(Zeenat Aman in Yaadon Ki Baaraat, (c) Eros Entertainment)

Schon im Blog-Beitrag „Der Fall Mehbooba“ ging es um Original und Kopie, und auch da ging es um den Komponisten R.D. Burman. Er ist bekannt dafür, westliche Musik für seine Filmsongs zu verwenden. Schon in einem der ersten Filme, für den er als Komponist verantwortlich zeichnete, Bhoot Bungla (Geisterhaus, 1965), benutzte er Chubby Checkers „Let’s Twist Again“, und ich bezweifle, dass er dafür Tantiemen an die Originalkomponisten bezahlte.

Einer seiner berühmtesten Songs ist „Chura Liya Hai Tumse Jo Dil Ko“ aus Yaadon ki Baaraat (1973). 

Burman wurde für die Filmmusik  für den Filmfare Award, den indischen Film-Oscar, nominiert.

Doch die Melodie von „Chura Liya“ stammt von jemand anderem: Folksänger Donovan, der in den Sechzigern mit Songs wie „Catch the Wind“, „Sunshine Superman“ oder „Jennifer Juniper“ bekannt wurde. Er schrieb die Titelmelodie für die englische Komödie  „If It’s Tuesday, This Must Be Belgium“, die 1969 in die Kinos kam. Der Film handelt von einer Gruppe amerikanischer Touristen, die neun europäische Hauptstädte in achtzehn Tagen bereist. Gesungen wurde das Stück von J.P. Rags, ein Pseudonym für Douglas Cox, der nur ein einziges Album, Scruffety, veröffentlichte.

So weit die Fakten.

Die indische Version erreichte Klassikerstatus: „Burman’s song went on to become one of the most popular hits in the history of Bollywood“, schreibt Arpan Banerjee, der Autor eines Artikels über „Copyright and Cross Cultural Borrowing“ zwischen westlicher und indischer Musik. Sängerin Asha Bhosle nahm das Lied noch einmal mit dem Kronos Quartet auf, als Titelstück der CD „You’ve Stolen my heart“, die für den Grammy Award 2006 für  Best Contemporary World Music Album nominiert wurde. Das Youtube-Video von „Chura Liya“ haben sich bislang knapp 3,5 Millionen Menschen angesehen, das von „If It’s Tuesday“ bis zum heutigen Tag 19.350.

Himmelsschreiende Ungerechtigkeit? Werden hier Genies verkannt? Warum verklagte Donovan Burman nie ? Das kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht hat er die indische Version schlicht nie gehört. Vielleicht hat seine Plattenfirma einen Copyright-Prozess vor indischen Gerichten gescheut. Eine andere Möglichkeit: westliche Überheblichkeit.

Zu weit hergeholt? Dann sehen wir uns diese Fußnote zu „Chura Liya“ an:

 

Der Betreiber des Youtube-Kanals schreibt: „Cheap low budget Bollywood films are shown all over the world, especially in the eastern European block. “ Das klingt so, als würde man über Hollywoodfilme sagen: „Billigproduktionen wie Casablanca und Der Malteser Falke überschwemmten den europäischen Markt.“

Auch 43 Jahre nach der Veröffentlichung von „Chura Liya“ tobt die Diskussion darüber, ob Burman ein genialer Künstler oder ein mieser Dieb war, zum Beispiel in den hitzigen Kommentaren zu dieser Coverversion der Sängerin Bojoura.

 

Und die Vertreter beider Lager sind nicht zimperlich in ihrer Wortwahl:

„You retarded fuck, people like you make me doubt the theory of natural selection.“ (Kommentar von Abilash Sharma)

„Indian film makers and music directors—especially the much touted Bollywood—-are a thick skinned bunch of shameless copycats………..“
(Kommentar von Mani Menon)

„All you musical illiterates who call this a copy, I bet you guys can’t tell sa from ma.“
(Kommentar von 0point00)

Für mich ist der Fall klar: Ich finde Burmans Version besser als das zarte Geplänkel des Originals. Aber  zum Glück muss ich nicht über Plagiate und Urheberrechte entscheiden.

Eine letzte Fußnote: Der Sänger des Originalsongs, Douglas Cox, wurde später Motivationstrainer. Unter anderem motivierte er: die Angestellten von Donald Trumps Casinos in Las Vegas.

 

 

Chura Liya Hai Tume Jo Dil Ko

Komponist: R.D. Burman/Donovan Leitch
Text: Majrooh Sultanpuri
Sänger: Asha Bhosle/Mohammed Rafi

Credits der Songs nach: Hindigeetmala

Yaadon Ki Baaraat (1973)

Regie: Nasir Hussain
Drehbuch: Salim-Javed (Salim Khan und Javed Akhtar)
Dialoge: Nasir Hussain
Darsteller: Dharmendra, Zeenat Aman, Vijay Arora, Tariq

Yaadon Ki Baaraat in der Internet Movie Database

 

 

 

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