Paan Singh Tomar – (2012)

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(Kinoposter Paan Singh Tomar, (c) UTV)

Ein gefeierter indischer Hürdenläufer wird ein gefürchteter Bandit. Das klingt auf den ersten Blick  bizarr, beruht aber auf einer wahren Geschichte.

Paan Singh Tomar wurde 1932 in einem kleinen Dorf im Bundesstaat Madhya Pradesh geboren. Er diente in der indischen Armee, dort wurde sein Talent zum Laufen entdeckt. Er gewann siebenmal in Folge die indischen Meisterschaften, trat bei den Asienspielen an und hielt sechzehn Jahre den indischen Hürdenrekord. Als er von einer Landfehde in seiner Familie hörte, beendete er seine Sportkarriere, quittierte den Dienst in der Armee und kehrte 1972 in sein Heimatdorf zurück.

Nach vergeblichen Vermittlungsversuchen von Tomar eskalierte die Fehde, Tomar tötete mehrere Mitglieder der opponierenden Familie und wurde zum Banditen, der seine Bande militärisch organisierte und mit Entführungen und Lösegeld finanzierte. Ein Interview mit einer Zeitung erregte anscheinend so viel Aufregung, dass sich die lokalen Autoritäten genötigt sahen, zu reagieren:  Am 1. Oktober 1981 wurden Paan Singh Tomar und viele Mitglieder seiner Bande von einem großen Polizeiaufgebot nach einem zwölfstündigen Feuergefecht getötet.

Aus diesem Stoff ist ein fesselnder Film geworden,  über einen Mann, der das Recht in seine eigenen Hände nimmt, weil er sich von den Autoritäten im Stich gelassen fühlt. Schauspieler Irrfan Khan, der im Westen seit seiner Rolle als verbitterter Angestellter in Lunchbox bekannt sein dürfte, verkörpert ihn mit ungewöhnlichem Understatement und bekam für seine Rolle den National Film Award, neben dem Filmfare Award der wichtigste indische Filmpreis.

Trotz eines minimalen Budgets war der Film bei Kritik und Publikum erfolgreich und bekam zahlreiche Preise. Er ist ein Beispiel für indisches Independentkino, das auf die sonst obligatorischen Tanzsquenzen verzichtet und damit ein weit realistischeres Bild Indiens vermittelt, das, wie Besprechungen zeigen, selbst vielen Indern völlig unbekannt ist: „Paan Singh Tomar….paints an honest, realistic picture of an India few of us can claim to know.“ (Rajeev Masand).

Während Paan Singh Tomar bis zum Erscheinen des Films weitgehend vergessen war, gibt es einen anderen Leichtathleten, der seinen Ruhm bis ins Alter konservieren konnte: Milka Singh, genannt „Der Fliegende Sikh“, der 1960 in Rom in persönlicher Bestzeit Vierter im 400 Meter-Lauf wurde und in Indien in etwa so eine Berühmtheit wie Uwe Seeler sein dürfte,  auch im hohen Alter hochverehrt, stets für fairen Sportsgeist plädierend.

Seine Lebensgeschichte wurde ebenfalls verfilmt, und auch wenn ich Bhaag Milka Baagh nicht gesehen habe, soll er den Rezensionen nach das Ansehen wert sein.

Ein Artikel im Indian Express belegt übrigens, dass die Landfehde, die Paan Singh Tomar und diverse Menschen das Leben kostete, bis heute anhält.

Paan Singh Tomar

Regie: Tigmanshu Dhulia
Drehbuch: Sanjay Chauhan
Darsteller: Irrfan Khan, Mahi Gill, Vipin Sharma, Brijendra Kala

Paan Singh Tomar in der Internet Movie Database

Bhaag Milka Bhaag

Regie: Rakeysh Omprakash Mehra
Drehbuch: Prasoon Joshi
Darsteller: Farhan Aktar, Sonam Kapoor

Bhaag Milka Bhaag in der Internet Movie Database

Beide Filme sind auf DVD erhältlich in Hindi mit englischen Untertiteln.

 

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