Amar Akbar Anthony (1977)

AnthonyGonsalvesAmitabh Bachchan als Anthony Gonsalves ((c) Shemaroo Entertainment)

Die Post brachte mir vor einigen Jahren ein Paket mit Bollywoodfilmen. Aus Neugier startete ich einen von ihnen, um mir die ersten zehn Minuten anzusehen. Knapp drei Stunden später machte ich den DVD-Player aus. Das war der Tag, an dem ich Amar Akbar Anthony sah.

Wenige Bollywoodfilme haben mir so durchgehend Spaß gemacht wie diese rasante Geschichte über drei Brüder, die als Kinder getrennt werden und sich erst viel, viel später wiederfinden, obwohl sie quasi alle in derselben Nachbarschaft wohnen. Denn auf die ohnehin hohe Schicksals- und Tragödiendichte des indischen Kinos setzt dieser Film noch eins drauf, so dass ein absurder Effekt entsteht: Der Film ist quasi schon die Parodie des Bollywood-Familienmelodramas, aber er lässt den Zuschauer dennoch mit offenem Mund zurück. Regisseur Manmohan Desai ist der Erfinder der masala movies, der wilden Mischung von unterschiedlichen Genres, und Amar Akbar Anthony ist eines seiner Meisterstücke.

Gleichzeitig ist dies einer der wenigen Bollywoodfilme, bei denen die Musik nicht so sehr im Vordergrund steht. In Erinnerung bleiben vor allem zwei Stücke: „My Name is Anthony Gonzalves“ wirkt so, als sei Adriano Celentano in einem indischen Film gelandet und versuche nun hartnäckig Unsinn zu machen, um eine schöne Frau (Parveen Babi als Jenny)  zu beeindrucken. Leider ist sie  in Begleitung eines muskulösen Herrn, der die Annäherungsversuche rabiat unterbindet.

Genau so furios ist der Titelsong, in dem sich die drei Brüder bereits wiedergefunden haben und nun (zusammen unschlagbar) die Bösewichte austricksen, die ihre Herzdamen fremd verheiraten wollen.

Den Plot mit den drei Brüdern, die in der Jugend getrennt werden und sich erst als Erwachsene wiederfinden, gab’s schon 1973 sehr erfolgreich in Yaadoon Ki Baraat. Und offenbar wurde er nach dem Erfolg von Amar Akbar Anthony noch oft kopiert. Dabei stehen die drei Namen für drei Hauptreligionen Indiens: Amar ist Hindu, Akbar wächst bei einem muslimischen Schneider auf, und Anthony bei christlichen Padres. Und jenseits aller Verwicklungen ist die Botschaft optimistisch genug: Wenn die drei gemeinsam handeln, können sie alle Hindernisse überwinden. Die Botschaft kam an, auch wenn sie offensichtlich nicht gelernt wurde: Fünfzehn Jahre später, 1992, löste die Zerstörung der mehr als vierhundert Jahre alten Babri Masjid-Moschee durch Hindu-Nationalisten schwere religiöse Unruhen aus, bei denen in den folgenden drei Monaten rund 900 Menschen ums Leben kamen.

Doch das ist fern in Amar Akbar Anthony, hier ist es ein schnöder Bösewicht, der für die Wirrungen verantwortlich ist. In dem drei Stunden langen Film kann vor allem Amitabh Bachchan sein schauspielerisches wie komisches Talent beweisen, unter anderen in einer ikonischen Szene, in der er betrunken seinem Spiegelbild ein Pflaster aufklebt. Er bekam für diese Rolle den  Filmfare Award, das indische Äquivalent des Oscars

Noch ein paar Trivia: Rishi Kapoor, Darsteller von Akbar, stammt aus einem der berühmten indischen Filmclans: die Kapoors. Großvater Prithviraj Kapoor war ein bekannter Theaterschauspieler und Charakterdarsteller, Vater Raj Kapoor einer der berühmtesten Schauspieler und Regisseure der Fünfziger bis Siebziger, oft The Showman of Bollywood genannt. Enkel Rishi Kapoor heiratete seine Filmpartnerin Neetu Singh, die nach Tradition der Familie ihre Filmkarriere beendete. Sie sind inzwischen 37 Jahre verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Ranbir Kapoor ist inzwischen selbst einer der großen Stars in Bollywood geworden (Rockstar, Yeh Jawani Hai Diwani).

Amitabh Bachchan war der große Superstar der Siebziger, der Rajesh Khanna ablöste und erst in den Achtzigern einen Karriereknick zu verzeichnen hatte. Nach einem missglückten Ausflug in die Politik feierte er Ende der Neunziger ein glorreiches Comeback als Moderator der indischen Version von Wer wird Millionär? und gilt seitdem als Big B, als väterliche Leitfigur Bollywoods. Auch sein Sohn Abishek ist dick im Bollywood-Business.

Trauriger verlief die Karriere von Parveen Babi. Nach großen Erfolgen sorgte sie mit unbewiesenen Anschuldigungen gegen frühere Co-Stars für Skandale, ihr Stern sank, sie erkrankte angeblich an Schizophrenie. 2005 wurde sie tot in ihrer Wohnung im Mumbai aufgefunden, wahrscheinlich ist sie an Komplikationen ihrer Diabetes gestorben, die früh diagnostiziert wurde.

Der Titelsong des Films wurde von gleich drei bekannten Playbacksängern eingespielt: Kishore Kumar, Mahendra Kapoor und Shailendra Singh.

Credits (Quellen: http://www.hindigeetmala.net, imdb.com)

Amar Akbar Anthony
Regie: Manmohan Desai

My Name is Anthony Gonsalves
Schauspieler – Amitabh Bachchan, Parveen Babi
Sänger – Kishore Kumar
Text – Anand Bakshi
Komponisten – Laxmikant-Pyarelal

Amar Akbar Anthony
Schauspieler – Amitabh Bachchan, Vinod Khanna, Rishi Kapoor, Parveen Babi, Neetu Singh, Shabana Azmi
Sänger – Kishore Kumar, Mahendra Kapoor, Shailendra Singh
Text – Anand Bakshi
Komponisten – Laxmikant-Pyarelal

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