Paan Singh Tomar – (2012)

paan-singh-tomar-2012-movieimg
(Kinoposter Paan Singh Tomar, (c) UTV)

Ein gefeierter indischer Hürdenläufer wird ein gefürchteter Bandit. Das klingt auf den ersten Blick  bizarr, beruht aber auf einer wahren Geschichte.

Paan Singh Tomar wurde 1932 in einem kleinen Dorf im Bundesstaat Madhya Pradesh geboren. Er diente in der indischen Armee, dort wurde sein Talent zum Laufen entdeckt. Er gewann siebenmal in Folge die indischen Meisterschaften, trat bei den Asienspielen an und hielt sechzehn Jahre den indischen Hürdenrekord. Als er von einer Landfehde in seiner Familie hörte, beendete er seine Sportkarriere, quittierte den Dienst in der Armee und kehrte 1972 in sein Heimatdorf zurück.

Nach vergeblichen Vermittlungsversuchen von Tomar eskalierte die Fehde, Tomar tötete mehrere Mitglieder der opponierenden Familie und wurde zum Banditen, der seine Bande militärisch organisierte und mit Entführungen und Lösegeld finanzierte. Weiterlesen

Üppige Sehnsucht – Talash (1969)

talash-helen_karle-pyar-karle-1

(Ein tanzender Flamingo bringt Herren in Verlegenheit; Helen in Talash (c) Shemaroo Entertainment)

Ist dies eine tragische Geschichte? Der möglicherweise tragische Held ist zugleich Komiker, und er heißt O.P. Ralhan. Er war Schauspieler, Autor und Regisseur, und der Beitrag soll an ihn erinnern, denn er starb vor genau zwanzig Jahren, am 12. Januar 1997. Das ansonsten recht geschwätzige Internet nennt „Indien“ als Geburts- und Sterbeort, schweigt sich aber darüber aus, wo genau und woran er gestorben ist. Auch sonst findet man im Netz überraschend wenig über ihn.

Doch hat er bei einigen Filmen Regie geführt, und einer von ihnen verkörpert mich wie wenige andere das Grandiose und die Schwächen des klassischen Bollywoodfilms: Talash (Sehnsucht) von 1969. O.P. Ralhan führte nicht nur Regie, er produzierte den Film auch und schrieb das Drehbuch. Talash handelt von Rajkumar

Weiterlesen

Bloggen 97 # 1

bloggen97-1

Der Text von März 1997 ist eine Zeitkapsel zum Poetry Slam „Hamburg ist Slamburg“, der in diesem Monat sein zwanzigstes Jubiläum feiert.

Das große Jubiläumsbuhei findet am 31. Januar 2017 im Nochtspeicher in Hamburg statt (hier die Veranstaltungsseite auf Facebook), den ersten Slam gab’s am 28. Januar 1997 in der Kleinkünstbühne fools garden, und seither 220mal am letzten Dienstag des Monats (außer Dezember). Von 2001 bis Sommer 2013 hatte der Slam seine Heimat im Molotow auf dem Spielbudenplatz. Slamburg war der vierte Slam, der in Deutschland aufmachte (nach Berlin, München und Düsseldorf). Damals war ich noch als Dichter dabei, nach meiner eigenen Zählung startete ich bei elf Slams in den Jahren 97 und 98. Ende 1998 lud mich Tina Uebel ein, mit ihr zu moderieren, nachdem ihr erster Partner Boris Preckwitz Hamburg in Richtung Berlin verlassen hatte.

Der Text „Bossa Nova“ war meine persönliche Antwort auf das Desaster meines ersten Auftritts bei der Slamburg-Premiere, wo ich mit einem stillen Text über einen alten Mann, der am Grab seiner Frau steht, sang- und klanglos unterging. Ich schrieb den Text am Nachmittag des Februar-Slams (25. Februar 1997), las ihn abends aus einer grünen Chinakladde vor, wurde Dritter und bekam meine erste Slamburg-Ponyschleife. Ich kam noch mehrmals unter die Top 3, die eine Schleife bekommen, aber gewonnen habe ich nie.

Damals wurden noch zwei der fünf Juroren von den Moderatoren geladen und saßen mit auf der Bühne (daher die entsprechende Anspielung auf die „Ausstrahlung im Arsch“). Und damals waren auch noch keine Requisiten verboten, weshalb ich tatsächlich eine Casio-Orgel für 35 Mark zum Einsatz brachte.

Bereit für eine weitere Zeitreise? Los geht’s:
Internet-Kolumne # 7 „Bossa Nova…“ – März 1997

Eine Sammlung meiner alten Slam-Texte gibt es bei Book on Demand unter dem Titel „Männer. Frauen. Essen.“

Der Fall „Chura Liya“

vlcsnap-error360

(Zeenat Aman in Yaadon Ki Baaraat, (c) Eros Entertainment)

Schon im Blog-Beitrag „Der Fall Mehbooba“ ging es um Original und Kopie, und auch da ging es um den Komponisten R.D. Burman. Er ist bekannt dafür, westliche Musik für seine Filmsongs zu verwenden. Schon in einem der ersten Filme, für den er als Komponist verantwortlich zeichnete, Bhoot Bungla (Geisterhaus, 1965), benutzte er Chubby Checkers „Let’s Twist Again“, und ich bezweifle, dass er dafür Tantiemen an die Originalkomponisten bezahlte.

Einer seiner berühmtesten Songs ist „Chura Liya Hai Tumse Jo Dil Ko“ aus Yaadon ki Baaraat (1973). 

Burman wurde für die Filmmusik  für den Filmfare Award, den indischen Film-Oscar, nominiert.

Doch die Melodie von „Chura Liya“ stammt von jemand anderem: Weiterlesen

Mini-Bollywood-Lexikon -Schauspielerinnen I

Zeenat Aman

yaadon-zeenat2.jpg

(Zeenat Aman in Yaadon ki Baaraat, 1973, (c) Eros Entertainment)

Geboren 1951 in Bombay, verprügelte sehr eindrucksvoll im Hosenanzug Amitabh Bachchan und die Bösewichter (Don, 1978, z.B. beim Showdown ab 2:38 h).
Als Jugendliche lebte sie eine Zeitlang in Deutschland, weil ihre Mutter in zweiter Ehe einen Deutschen geheiratet hatte, kehrt jedoch mit 18 nach Bombay zurück. Sie war zuerst Model, u.a. zweite beim Miss India-Wettbewerb 1970. Seit ihrer Rolle als Hippiefrau Janice in Hare Krishna Hare Rama (1971, Regie: Dev Anand) hatte sie ein Image als „westliche, freie Frau.“ Große (kommerzielle) Erfolge u.a. in Satyam Shivam Sundaram (1978), Weiterlesen

„Tanzt, sonst sind wir verloren!“

Mal nicht aus Bollywood, aber definitiv aus derselben Abteilung, dieses Video aus der ersten Hälfte der Sechziger, als erst der Twist kam und dann eine Folge von kurzlebigen Modetänzen mit ulkigen Namen wie The Jerk, Huckle Buck, Mashed Potato oder Madison. Und irgendwann der „Nitty Gritty“:

Der Macher des Clips hat  das viel kürzere Originalmaterial aus der „Judy Garland Show“ über die Länge des Originalsongs gestreckt. Aber dadurch fällt der Tänzer vorne rechts noch mehr auf, der seine Gummiknochen schüttelt, während die Damen eher die Roboter-Pantomimen der New Wave-Zeit vorwegnehmen.

Schrullige obskure Menschen ihr, die ihr in diesem Video aus längst vergessener Zeit „zur Sache kommt“( das ist die Bedeutung des englischen Ausdruck „to get down to the nitty gritty“), mag man denken – aber so obskur sind die Menschen gar nicht. Weiterlesen

Mere Saamne Waali Khidki – Padosan (1968)

padosan

( (C) Ultra India)

Der Mann ist ein netter Kerl, aber eher einfach gestrickt. Als er sich in die kapriziöse Nachbarin verguckt, die er täglich am Fenster gegenüber sieht, ist er schnell am Ende seiner Flirtkapazitäten angelangt. Er will ihr ein Ständchen bringen, aber leider singt er wie ein wiehernder Esel. Da muss der Leiter seiner Theatergruppe helfen. Er leiht dem Mann seine Stimme, damit er die Frau von nebenan anhimmeln kann. Und siehe da, die Serenade bleibt nicht ohne Wirkung: Die Herzdame ist auf einmal interessiert.

Das klingt verdächtig nach Cyrano de Bergerac, einem Versdrama von Edmond Rostand, das inzwischen unzählige Male aufgeführt und verfilmt worden ist. Im Fernsehen lief in den Siebzigern eine Aufzeichnung aus dem Thalia-Theater, Boy Gobert duellierte sich mit angeklebter Riesennase, später brillierte Gérard Depardieu als Säbelrassler und Worterfinder, dessen große Liebe unerfüllt bleibt.

Aber hier sind wir in Indien, und in der Bollywood-Version geht es nicht um das „gefühlvolle Monster“ Cyrano, sondern um die Wirrungen der romantischen Komödie, um Bhola (Sunil Dutt) und Bindu (Saira Banu), die zueinander finden sollen. Weiterlesen